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Carsten Stock wirbt für geistliche Erneuerung der Kirche

Nachricht 18. September 2026

Auf der Kirchenkreissynode in Heeslingen fordert der Superintendent mehr als Strukturreformen. Im Mittelpunkt sollen die Menschen vor Ort, ihr Glaube und ihre Verantwortung für das Gemeindeleben stehen.

Heeslingen. Wie kann Kirche sich verändern, wenn Mitgliederzahlen sinken und finanzielle Spielräume kleiner werden? Als Impuls für kommende Überlegungen in Gemeinden und Gremien hat Superintendent Carsten Stock auf der Synodentagung des Kirchenkreises Bremervörde-Zeven am 9. September in Heeslingen für eine grundlegende geistliche Erneuerung geworben. Sein Leitgedanke: Die Zukunft der Kirche entscheidet sich wesentlich dort, wo Menschen ihren Glauben miteinander leben und durch Wort und Tat teilen. Dafür brauche es mehr als neue Strukturen.

Carsten Stock zeichnete ein kritisches Bild der kirchlichen Transformationsprogramme. Nach seinem Eindruck dienten sie häufig dazu, das bestehende System mit weniger Geld und Personal auf immer größeren Flächen zu erhalten. Dabei drohe verloren zu gehen, was Kirche ausmache: ihre Präsenz vor Ort und die Nähe zu den Menschen. Den bisherigen Zustand bewahren wolle er ausdrücklich nicht. „Wir brauchen eine grundlegende Veränderung!“

Den Handlungsdruck verdeutlichte er mit Zahlen aus dem Kirchenkreis. Die Zahl der Taufen lag 2025 nur noch bei 58 Prozent des Wertes von 2016, die Zahl der Konfirmierten hat sich seit 2015 mehr als halbiert. Im vergangenen Jahr traten 787 Menschen aus der Kirche aus. Zugleich rechnet die Landeskirche nach Stocks Bericht damit, 2035 über mehr als 30 Prozent weniger Finanzkraft zu verfügen als heute.

Metamorphose beginnt mit dem Gebet

Als Gegenentwurf zu einem vorwiegend organisatorischen Umbau stellte Stock den Begriff der Metamorphose vor: eine Verwandlung, die sich am Wesen der Kirche orientiert. Kirche sei die Gemeinschaft von Menschen, die an Jesus Christus glauben, ihren Glauben leben und mit anderen teilen. Eine solche Gemeinschaft lasse sich nicht allein durch Planung herstellen. Geistliche Erneuerung gehe von Gott aus.

Daraus leitete Stock eine Haltung des Gebets ab. Am Anfang stehe die Bitte, Gott möge seine Kirche verwandeln und den Menschen zeigen, wie sie daran mitwirken können. Das bedeutet in seinem Entwurf zugleich einen konkreten Auftrag zum Handeln: „Gott ist es, der seine Kirche baut und verwandelt – und uns dabei gebraucht.“

Die Menschen und den Auftrag zusammen denken

Für diese Erneuerung benannte Stock zwei Orientierungspunkte. Zum einen gehe es um die Menschen mit ihren Fragen, Bedürfnissen und Wünschen. Zur Gemeinschaft der Glaubenden zählte er ausdrücklich auch Suchende, Zweifelnde und Menschen, die nur gelegentlich dazugehören. Zum anderen gelte der Auftrag Jesu, Menschen zum Glauben einzuladen und sie dabei zu begleiten, ihn im Alltag zu leben, darin zu wachsen und ihn weiterzugeben.

Beides müsse ständig aufeinander bezogen werden. Stock erinnerte an die ersten christlichen Gemeinden, die sich in Häusern trafen, gemeinsam beteten und einander unterstützten. Auch spätere Erneuerungsbewegungen hätten beim Glauben und bei den Menschen angesetzt. Den reformatorischen Gedanken vom „Priestertum aller Gläubigen“ gelte es unter heutigen Bedingungen neu aufzunehmen: Menschen an der Basis sollen ihre Verantwortung erkennen und befähigt werden, sie wahrzunehmen.

Verantwortung vor Ort stärken

Dafür skizzierte Stock ein verändertes Zusammenspiel von Hauptamtlichen und Gemeindegliedern. Beruflich Mitarbeitende sollen Menschen für Mitarbeit und Leitungsaufgaben qualifizieren und geistlich begleiten. In seinen Überlegungen sind dafür 15 bis 20 Prozent ihrer Arbeitszeit vorgesehen. Nach Interessen und Qualifikationen könnten sie zudem kirchenkreisweit in Teams zusammenarbeiten, etwa für Seelsorge, Gottesdienste oder Jugendarbeit.

Ein vom Kirchenkreis finanziertes Schulungsprogramm soll diese Entwicklung unterstützen. Als Inhalte nannte Stock unter anderem Gemeindeleitung, Gottesdienstgestaltung, Seelsorge, Jugendarbeit, Diakonie und die Förderung des persönlichen Glaubens. Dabei müsse nicht jeder Ort dasselbe Angebot vorhalten. Während mancherorts ein breites Gemeindeleben möglich sei, könne es andernorts bei einzelnen Angeboten sowie Taufen, Trauungen und Beerdigungen bleiben. „Wir folgen dabei der Energie und dem Leben und lassen Dinge, die nur wenig Resonanz finden.“

Gute Ausgangslage für anstehende Aufgaben

Bei allen Herausforderungen bewertete Stock die gegenwärtige finanzielle und personelle Lage des Kirchenkreises positiv. Das Jahr 2025 habe mit einem Überschuss abgeschlossen. Rücklagen konnten sowohl für die energetische Sanierung langfristig benötigter Gebäude als auch für die inhaltliche kirchliche Arbeit gebildet werden. Besonders hob er die Kompetenz der beruflich Mitarbeitenden und das Engagement der Menschen in den Gemeinden hervor.

Mehrere Stellen wurden neu besetzt, darunter die Diakonenstelle in St. Liborius mit Eric Brühan. Auf Pastor Siegfried Freye, der zum 1. Oktober in den Ruhestand geht, folgt Pastorin Christiane Meyer auf der halben Pfarrstelle in Elm. Anfang 2027 sollen die Überlegungen zur Stellen- und Finanzplanung ab 2029 beginnen. Auch die Beratungen 

Unterstützung für die Lebensberatung

Die Synode nahm mehrheitlich einen Antrag an, der die Kirchengemeinden um finanzielle Unterstützung für die Lebensberatung des Diakonischen Werks bittet. Über Art und Höhe entscheiden die jeweiligen Kirchenvorstände. In der Beratung warb Volker Rosenfeld für die Bedeutung der Lebensberatung. In einem weiteren Tagesordnungspunkt unterstützte die Synode die ablehnende Haltung des Kirchenkreisvorstands, der sich einstimmig gegen die geplante Sprengelreform in der vorliegenden Form ausspricht. Achim Hauschild aus Heeslingen wurde außerdem in den Synodenvorstand gewählt.

Stock berichtete über die im Juni begonnene Aufarbeitung von Verdachtsfällen physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt im Bereich der Kirchengemeinde Elsdorf. Betroffen sind Kinder, die unter anderem von der Pestalozzi-Stiftung dorthin verschickt worden waren. Das Berliner Dissens - Institut für Bildung und Forschung hat erste Gespräche geführt und sein Vorgehen im Kirchenkreisvorstand vorgestellt. Im Mittelpunkt stehe, das Unrecht und Leid der Betroffenen wahrzunehmen und anzuerkennen, erklärte Stock. Er unterstütze diesen Schwerpunkt sehr und betonte, dass Kirche insgesamt aus der Aufarbeitung zugleich Konsequenzen ziehen müsse, um Wiederholungen zu verhindern. Die Veröffentlichung des Aufarbeitungsberichts ist für Herbst 2027 geplant.

Simon Laufer, Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis