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Das Doppelherz der Kirche

Nachricht 03. Februar 2026

Die Synode des Kirchenkreises beschäftigte sich mit dem Thema Diakonie.

Oese (28.01.2026) – Bei der Synodentagung des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Bremervörde-Zeven am 28. Januar  in der FuB Oese ging es um ein Thema, das zum Kern der Kirche gehört: die Diakonie. In seinem Impulsvortrag machte Rainer Koch, Referent für Spiritualität und missionarische Aufbrüche der Landeskirche, deutlich, dass Kirche und Diakonie nicht zwei getrennte Arbeitsfelder seien, sondern einander bedingen. „Kirche kann nicht ohne Diakonie Kirche sein“, so Koch. Wo die Kirche nur rede, ohne zu handeln, werde das Evangelium unverständlich. Und wo die praktische Hilfe ohne geistliche Tiefe bleibe, verliere sie ihre Quelle. 

Glaube, der Hände bekommt

Ausgehend von den historischen Wurzeln der Diakonie erinnerte Koch an Johann Hinrich Wichern, der im 19. Jahrhundert in Hamburg auf soziale Not und Glaubensverlust gleichermaßen reagierte. Verkündigung, Gebet und tätige Liebe gehörten bei Wichern von Beginn an zusammen. Eindrücklich schilderte Koch auch persönliche Erfahrungen aus Südafrika, wo Diakonie als Raum geteilter Verletzlichkeit verstanden werde: nicht Hilfe von oben herab, sondern Begegnung auf Augenhöhe. In den Leidenden begegne Christus selbst – eine Perspektive, die Diakonie als zutiefst geistliche Übung begreifbar mache.

Kirche für andere

An diese Linie knüpfte der Vorsitzende des Diakonie-Ausschusses der Synode, Pastor Volker Rosenfeld, an. Er betonte, dass Diakonie wesentlich zur gesellschaftlichen Relevanz der Kirche beitrage. „Sie sorgt für Erdung und Bodenhaftung“, machte Rosenfeld deutlich. Gerade in einer Zeit, in der Kirche im Umbruch sei, brauche es diese sichtbaren Zeichen gelebten Glaubens. Auch die Worte Dietrich Bonhoeffer klangen an: Kirche sei nur Kirche, wenn sie „Kirche für andere“ sei.

Wertschätzung für Mitarbeiter

Große Anerkennung erfuhren an diesem Abend die vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden, die die diakonische Arbeit im Kirchenkreis tragen und auch an diesem Abend ihre Arbeit selbst vorstellten. Volker Rosenfeld dankte ausdrücklich allen, die tagtäglich in den vielfältigen Arbeitsfeldern tätig sind. In Tischgruppen wurde nicht abstrakt diskutiert, sondern konkret vorgestellt, wo und wie Diakonie im Kirchenkreis Gestalt gewinnt – nah an den Menschen und ihren Lebenssituationen. 

Hilfe, die konkret wird

Die Bandbreite der Arbeit des Diakonischen Werks Bremervörde-Zeven ist groß. Sie reicht von sozialer Beratung über Pflege- und Unterstützungsangebote bis hin zu Begleitung in Krisen- und Abschiedssituationen. Vertreten sind unter anderem die Allgemeine Sozial- und Lebensberatung, die Schuldner- und Insolvenzberatung, Migrations- und Flüchtlingsberatung, Ambulante Pflege- und Betreuungsdienste, Nachbarschaftsläden und quartiersbezogene Sozialarbeit, der Ambulante Hospizdienst, Angebote der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe und Beratung und Unterstützung für Menschen mit psychischen Belastungen. Alle diese Arbeitsbereiche verfolgen ein gemeinsames Ziel: Menschen in herausfordernden Lebenslagen wahrzunehmen, ihnen mit Respekt zu begegnen und konkrete Hilfe zu ermöglichen.

Besonders eindrücklich wurde an einzelnen Beispielen deutlich, wie diese Hilfe aussieht. In der Schuldnerberatung etwa geht es nicht nur um Zahlen und Verträge, sondern um neue Perspektiven für Menschen, die den Überblick verloren haben. Die Hospizarbeit begleitet Schwerkranke und ihre Angehörigen mit Zeit, Nähe und Würde bis zuletzt. Der Nachbarschaftsladen und der Stadtteilladen in Bremervörde schaffen Begegnungsorte, die Einsamkeit entgegenwirken und soziale Teilhabe ermöglichen. In all dem wird Diakonie als „gelebte Theologie“ erfahrbar – dort, wo Menschen mit ihren Sorgen ernst genommen werden.

Ein Gedanke aus dem Impulsvortrag zog sich wie ein roter Faden durch den vom Diakonie-Ausschuss vorbereiteten Abend: Diakonie ist eine große Kontaktfläche zwischen Kirche und Gesellschaft. Viele Menschen kommen hier erstmals oder erneut mit Glaubensfragen in Berührung – oft ganz niedrigschwellig, durch ein Gespräch, einen Segen, ein Gebet. Diese geistliche Dimension dürfe nicht aus Angst vor Übergriffigkeit verschwiegen werden, so Koch, sondern solle praktiziert und neu entdeckt werden.

Kirche und Diakonie miteinander verbunden

Am Ende des Abends blieb die Erkenntnis, dass Kirche und Diakonie nur gemeinsam ihre Kraft entfalten. Wo Kirche hinsieht, zuhört und handelt, wird der Glaube sichtbar. Und wo Diakonie aus dem Vertrauen auf Christus lebt, gewinnt Hilfe Tiefe und Hoffnung. Oder, wie es anklang: Wenn wir den Schmerz anderer wahrnehmen und teilen, leuchtet etwas von der Wirklichkeit Christi auf – mitten im Alltag der Menschen im Kirchenkreis.

Pastor Simon Laufer, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Bremervörde-Zeven